«Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen, drum nehm ich meinen Stock und Hut und tät das Reisen wählen.» (Matthias Claudius 1740 – 1815)
Nun, die FU14 nahm nicht «Stock und Hut» sondern sie wählten den Nachtzug um am Donnerstag vor Ostern nach Arnheim in Holland zu gelangen. Das Abenteuer «internationales Turnier» startete aber bereits eine Woche davor mit dem Hinweis der ÖBB (Nachtzugbetreiber), dass der geplante Start-Bahnhof des Nachtzuges an besagtem Donnerstag nicht bedient werden würde, da die Strecke Basel-Mannheim gesperrt sei. Die erste Planänderung führte uns daher nach Zürich statt nach Basel. Dort angekommen bezogen wir, nachdem der Nachtzug eingetroffen war, unsere Abteile. Dank sehr kooperativen Mitreisenden gelang es uns alle drei Abteile im gleichen Wagen zu beziehen und somit waren wir zwar nicht unmittelbar nebeneinander platziert, aber durchaus in «Hörweite». Der Zug fuhr dann auch «relativ pünktlich» los, die FU14 Spielerinnen waren mit Uno-Spielen und anderen Aktivitäten gut beschäftigt. Über Schaffhausen, Stuttgart, Frankfurt, Köln erreichten wir um 09:59 Uhr Arnheim Central. Um die Zeit bis zum Bezug der Unterkunft zu überbrücken, besuchten wir am Karfreitag den Burgers Zoo in Arnheim – gestärkt mit Burgern (die gibt es auch im Burgers Zoo) machten wir uns gegen Abend per Bus auf in Richtung Oostappen Vakantiepark. Den richtigen Ausstiegspunkt haben wir verpasst, was unseren Fussmarsch ein wenig verlängerte, und vor allem ein wenig unpraktischer machte. Durch den Wald gelangten wir zum Park, wo wir die Bungalows bezogen und danach unsere Fahrräder übernahmen. In einem Velo-Land wie Holland, dürfte man eigentlich erwarten, dass die Miet-Fietsen qualitativ irgendwo im Bereich «brauchbar» zu liegen kommen. Unsere waren davon weit entfernt. Keine Beleuchtung, platte Reifen, Sättel, die sich nicht verstellen liessen, streifende Schutzbleche … es war ein ziemliches Desaster. Mit einer Velopumpe ausgestatten parkten wir die Fietsen vor unseren Bungalows und machten uns auf den Weg zum Nachtessen. Danach ging es zurück in die Unterkünfte, um eine erste Nacht in unseren Bungalows zu verbringen. Ja, die waren nicht ganz dicht (was später noch ein Vorteil sein sollte), sie erfüllten nicht den Level an Sauberkeit, den wir von zu Hause gewohnt sind (da wäre ein Dank an die Mamas angebracht), die Zimmer waren klein und es gab auch das eine oder andere Haustier … aber eben, es sind Bungalows (Wohnwagen) die in einem Wald stehen und deren Baujahr irgendwo nahe an der Jahrtausendgrenze liegen dürfte. Die Müdigkeit aller half, die erste Nacht in neuer ungewohnter Umgebung zu «überleben».
Am nächsten Morgen gings zum Frühstück und danach schwangen wir uns - nachdem die Reifen wieder aufgepumpt waren - auf unsere Räder. Google Maps veranschlagt für die Strecke vom Ferienpark zum Sportcentrum Valkenhuizen 26 Minuten. Das hätte wohl mit brauchbaren Fahrrädern auch funktioniert – mit unseren dauerte es dann eher 50 Minuten, wodurch die Zeit von der Ankunft am Ziel bis zum ersten Spiel auf 20 Minuten schrumpfte. Für das Einspielen blieb keine Zeit und so starteten wir lediglich durch die Fahrradtour aufgewärmt ins erste Spiel. Als Gegner stellte sich eine Mannschaft aus Arnheim auf. Die Holländerinnen waren durchs Band grösser als unser Team (klar, wir starteten ja auch bei den U15-Mädchen) und trotzdem konnten wir zu Beginn gut mithalten. Der Schock dann nach wenigen Minuten, Laura verletzte sich in der Verteidigung am Fuss und musste mit dem Rollstuhl vom Platz gefahren werden. Die Frickerinnen brachte dies ziemlich aus dem Konzept, so dass im Anschluss kein Tor mehr gelingen wollte. Mit 4:10 ging das erste Spiel verloren und unsere Spielerinnen waren ziemlich geknickt. Im zweiten Spiel ging es gegen das dänische Team KLG Handbold; sie erwiesen sich als stärkster Gegner im ganzen Turnier. Wiederum gelang der Start ins Spiel einigermassen gut, allerdings zeigte sich schnell, dass es in diesem Spiel nichts zu holen geben würde, da lagen schon körperlich Welten zwischen uns und den Skandinavierinnen. Wir verloren diese Partie mit 5:10. Zum Abschluss des ersten Turniertages spielten wir gegen HV Schagen 2, einem weiteren einheimischen Team. In der Zwischenzeit war Laura aus dem Spital zurückgekehrt. Zwar lief sie an Krücken, jedoch ging es ihr offensichtlich nicht so schlecht, was die Frickerinnen beflügelte. Mit 16:9 konnten wir die Holländerinnen schlagen und somit mit einem Erfolgserlebnis den ersten Tag beenden.
Was folgte war die Rückfahrt zum Camp und hier erwies es sich als durchaus praktisch, dass wir auf «quasi» lokale Verwandtschaft zurückgreifen konnten. Laura wurde per PKW ins Camp transportiert, Claras Grossvater sorgte dafür, dass Lauras Fahrrad den Weg zurück zur Unterkunft fand. Dank dem Umstand, dass es im angeblich flachen Holland auf dem Rückweg fast nur bergab ging, war die Fahrt auch weitaus entspannter als die am Morgen. Trotzdem gaben wir die Fahrräder einen Tag früher zurück als geplant, denn wir wollten uns all den Ärger mit den Dingern am nächsten Tag nicht nochmals antun. Die Partie am Samstagabend liessen wir aus und feierten stattdessen ein bisschen in einem unserer Bungalows. Die Nacht auf Sonntag war kurz, dies einerseits, weil die Spiele am Sonntag schon früher begannen und andererseits, weil auch noch die Umstellung auf die Sommerzeit anstand. Das Frühstück um 06:45 war dann auch ungewohnt ruhig und selbst auf der Taxifahrt um 07:30 wurde nicht viel gesprochen. Zum Auftakt der Platzierungsspielen stand uns mit dem Team von BWO 1 erneut eine holländische Mannschaft gegenüber. Das Spiel war lange ausgeglichen, aber am Schluss obsiegten die Einheimischen mit 12:8. Auch das folgende Spiel gegen die HV Verburch ging knapp verloren (9:12) und eigentlich dachte der Trainer, dass damit das Turnier zu Ende wäre – doch dank eines Hinweises aus der fernen Schweiz, fanden wir unser letztes Spiel auf der Folgeseite des Turnierplans, auf welchem 2 von insgesamt 48 Spielen aufgeführt waren … wir durften also nochmals ran. Mit BWO 2 spielten wir erneut gegen eine niederländische Truppe und gegen diese Mannschaft feierten wir unseren zweiten Sieg (13:11). Es folgte ein langes Warten auf die Siegerehrung, an der wir eigentlich gar nicht hätten teilnehmen müssen (ausgezeichnet wurden Rang 1 – 4) und trotzdem hätten wir etwas verpasst, wenn wir früher ins Camp zurückgekehrt wären. Die Fricker Mädchen gewannen den Fairplay-Preis. Die Frage ist natürlich erlaubt, wie erstrebenswert es ist, das Team zu stellen, welches die wenigsten Strafen während des ganzen Turniers erhalten hat. Handball muss eine gewisse Härte enthalten und Strafen gehören nun mal dazu. Aber, der Umstand, dass wir nicht wussten, dass es einen Fairplay-Preis geben würde und die Tatsache, dass einige Spielerinnen während des Turniers durchaus Lob für ihre Verteidigungsarbeit einstecken durften, zeigt, dass wir uns nicht auf den Sieg in dieser Kategorie fokussiert haben. Den Preis nahmen wir deshalb gerne entgegen.
Zurück in der Unterkunft ging es darum, diese von unserem Schmutz zu befreien – ja, das war durchaus ein bisschen Arbeit – und für den Montag zu packen. Es folgte eine letzte, kurze Nacht.
Am 1.4. war um 06:45 Uhr Tagwache, letzte Reinigungsarbeiten standen an, danach Morgenessen, Gepäck in den Bungalows holen und auf zum Bahnhof. Der grosse Schock folgte als wir das Gepäck holen wollten. Bei 2 Bungalows funktionierte der Batch nicht mehr. Das ist, wenn die Rezeption erst um 10:00 öffnet, ziemlich suboptimal. Zum Glück gibt es aber auch in Holland Mitarbeiter, die schon früh morgens auf Platz sind und helfen können. Aufschliessen musste dieser Helfer nur einen Bungalow, beim zweiten konnten wir dank schlecht schliessenden Fenstern «einbrechen». So konnten wir immer noch pünktlich, per Taxis Richtung Bahnhof gelangen um die Rückreise in die Schweiz starten.
Zu dieser Reise möchte ich nur 2 Dinge sagen:
- Die Anzeigetafel am Bahnhof Arnheim zeigte «Train cancelled»
- Den Rest der Reise besingen die «Wise Guys» in ihrem Lied «Thank you for travelling with Deutsche Bahn» durchaus treffend.
Fazit zum Turnier:
- Ja, wir wurden nur 15. von 16 Teams – aber wir haben gleichviele oder sogar mehr Spiele gewonnen, wie Teams, die vor uns liegen. Es waren einfach die «falschen» Spiele, die wir gewonnen haben.
- Ja, wir wurden nur 15. von 16 Teams – aber wir sind in der Kategorie U15 gestartet und dies mit einem U14 Team, welches zu 2/3 auch noch in der U13 hätte antreten können.
- Ja, wir wurden nur 15. von 16 Teams – aber wir hatten mit Ellen und Laura zwei wichtige Spielerinnen zwar dabei aber eben nur als Zuschauer.
- Ja, wir wurden nur 15. von 16 Teams – aber bei uns haben gerade die jüngsten Spielerinnen (Lia, Lisa und Sophie alle Jahrgang 2012) ein hervorragendes Turnier gezeigt.
- Ja, wir wurden nur 15. von 16 Teams – aber bei so einem Anlass geht es in erster Linie überhaupt nicht um den sportlichen Erfolg, sondern darum, etwas zu schaffen, was sich aus den Erinnerungen nie mehr löschen lässt und das haben wir geschafft.
Zum Schluss bleibt Danke zu sagen:
- Dem Verein für die finanzielle Unterstützung.
- Den Bäckerinnen und den Käufern der Kuchen dafür, dass wir Geld für das Turnier verdienen konnten.
- Der Langenfeldgarage Oeschgen für die grosszügige Entschädigung unseres Arbeitseinsatzes im Januar.
- Raffael, Ulrike und Siegfried (Claras Onkel, Oma und Opa) für Fahrdienst, Velorückführung und Support (inkl. TSV Frick Fahne!) vor Ort
- und natürlich meinen Mitstreiterinnen Victoria, Lorena und Ayla, die tatkräftig mitgeholfen haben, dieses Abenteuer überhaupt zu ermöglichen.










